Umweltzonendebatte bizzar- Uralt-ADAC „Studie“ wird zum aktuellen Aufreger gemacht

 „Test-Debakel“, „Umweltzonen haben nach Einschätzung des ADAC nicht zur Verbesserung der Luft in den Großstädten geführt“, „das belegt ein Test des ADAC“ – so berichtet die Leipziger Volkszeitung heute auf ihrer Titelseite. Dazu gleich noch ein TED, ob in Leipzig eine Umweltzone eingeführt werden soll und ein vernichtender Kommentar zur vorhersehbaren Untauglichkeit der Umweltzonen auf Seite 3.

„Spannend. Neue Untersuchungen des ADAC zur Auswirkung von Umweltzonen auf die Luftbelastung in Städten, denkt der Leser“, so der verkehrspolitische Sprecher der bündnisgrünen Ratsfraktion Roland Quester, dem es ebenso ging. Und der sich, stutzig, dass keine konkrete Untersuchung oder ein ADAC-Sprecher in dem Beitrag auftaucht, auf Quellenrecherche begab. Auf der Internetseite des ADAC gibt es nichts Aktuelles zu dem Thema. Also den Leiter der Öffentlichkeitsarbeit angerufen. „Nein, es gibt nichts Neues von uns dazu“, so dieser am Telefon. „Wir haben nur letzte Woche der Tageszeitung „Die Welt“ gegenüber auf Anfrage unsere alte Position bestätigt, dass wir Umweltzonen für unwirksam halten. Wir haben dazu auch nur unsere Auswertung, die ja keine richtige Studie ist, vom Juni 2009.“

Zu dieser anderthalb Jahre alten ADAC-Aussage, heute als scheinbar brandaktuelle „Studie“ durch die LVZ verkauft, haben wir bereits in unserer Stellungnahme zum Luftreinhalteplan vom 2.8.2009 Bezug genommen, ganz zu schweigen davon, dass der ADAC mit dieser Auffassung seitdem mehrfach vor Gericht gescheitert ist:

Umweltzonen sind aber unwirksam (was u.a. eine ADAC Untersuchung bewiesen hätte), so die weitere Argumentation. Hierzu sei nur auf zwei aktuelle Stellungnahmen von Wissenschaftlern verwiesen, die sich mit dieser Frage befassen: Das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt hat in einer Pressemitteilung vom 27.7.09 über seine Untersuchungen zur Umweltzone in München berichtet. Darin heißt es u.a., „Das Ergebnis ist deutlich: Im Zeitraum Oktober 2008 bis Januar 2009 hat die relative [d.h. unter Berücksichtigung witterungsabhängiger Einflüsse] PM10 Feinstaubbelastung gegenüber dem Vorjahr in der Umweltzone in dem erwarteten Ausmaß abgenommen.“ (http://idw-online.de/pages/de/news327352)

Im Juni 2009 haben sich bereits die Fachleute aus dem Arbeitsausschuss „Feinstäube“ der Gesellschaften DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie), GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) und KRdL (Kommission Reinhaltung der Luft im Verein Deutscher Ingenieure VDI) mit einer Stellungnahmen zu Wort gemeldet und die Umweltzonen, die durch weitere Maßnahmen ergänzt werden müssen, als geeignet und wirksam bewertet. Auch zur Untersuchung des ADAC äußern sie sich: diese entbehre schlicht „einer wissenschaftlichen Grundlage“.  (www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/Stellungnahme__Umweltzonen_dechema_.pdf)“ (Unsere komplette Stellungnahme von August 2009: www.gruene-fraktion-leipzig.de/fileadmin/dokumente/publikationen/ Stellungnahme_Luftreinhalteplan.pdf

Roland Quester: „Die Bürger und die Politik brauchen die Medien. Als Kontrolleur und als Aufklärer. Das Werfen von Nebelkerzen in Form oller, längst widerlegter Kamellen als aktuelle „’Studienbelege’, braucht dagegen niemand.“


Informationen: Roland Quester, stadtentwicklungs- und verkehrspolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion von Bündnis90/Die Grünen

http://www.gruene-fraktion-leipzig.de

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