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Leipziger Kultur ruft nach Öffnungsperspektiven

Unter dem Motto „Quo vadis, Kultur?“ fand am 9. Dezember 2021 ein online-Austausch von Kulturschaffenden der Stadt Leipzig mit Politiker*innen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Leipzig statt. Thema war der Fortbestand der Leipziger Kulturszene vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

Aus Leipziger Kultur und Kulturpolitik diskutierten Dana Ersing (Westflügel Leipzig), Falk Elstermann (Nato), Steffen Kache (Distillery), Jürgen Ackermann (Werk 2), Claudia Maicher (MdL), die Stadträt*innen Annette Körner, Jürgen Kasek, Bert Sander, Anna Kaleri und weitere Gäste. Bei einigen Unterschieden in den Bedingungen, z.B. zwischen Theater und Clubkultur, wurde deutlich, dass sich die Kulturstätten klare Öffnungsperspektiven wünschen. Auch wenn man sich einig war, dass die Senkung der CoViD19-Inzidenz derzeit am wichtigsten ist, so kamen die Sorgen der Kulturstätten, die ja letztlich auch wie Unternehmen geführt werden, um ihre Mitarbeiter*innen und die Künstler*innen und deren Einkünfte zum Ausdruck. Dana Ernsing: „Es ist kräfte- und kreativitätsraubend, immer diese Unsicherheit vor Augen zu haben.“ Ein düsteres Bild entstand auch im Hinblick auf die sozio-emotionale Ebene und die zunehmende „kulturelle Entwöhnung“ vor allem des Publikums. „Nach Corona werden wir uns das Vertrauen des Publikums erst wieder erkämpfen müssen“, so die Einschätzung von Falk Elstermann.

Sichtbarkeit und Fortbestand von Kultur in unserer Gesellschaft sind immens wichtig, und alle Aktiven werden alles tun, damit ihre Einrichtungen schnellstmöglich wieder öffnen können. In diesem Zusammenhang wurde kritisiert, dass die lokalen Medien der Kulturstadt Leipzig in Bezug auf die Kultur recht zurückhaltend seien. Ein Teilnehmer des Podiums: „Die größte Tageszeitung der Stadt hat ihre Kulturseite komplett wegrationalisiert.“ Es wurde über Stufenkonzepte und die Fortführung der Modellprojekte mit PCR-Pooltests diskutiert und über die Möglichkeit einer Zwischenfinanzierung, bis mutmaßliche Bundesgelder zur Verfügung stehen und auch ausgezahlt werden können.

Als besonders wichtig wurde zudem eingeschätzt, schnellstmöglich in die Planung des Sommers, z.B. mit Open Air-Veranstaltungen, gehen zu können. Alle Kulturschaffenden fänden es sinnvoll, als Expert*innen gehört zu werden, und zwar bevor weitreichende politische Entscheidungen getroffen werden. Auch wenn die Situation für alle als bedrückend empfunden wird, überwiegt der Tenor „Wir machen weiter.“ So sagte ein weiterer Teilnehmer: „Wir werden jeden Zipfel ergreifen, der uns die Chance gibt, Kulturprojekte und Veranstaltungen zu machen. Auch wenn wir uns manchmal über schwierige Verordnungen ärgern, werden wir bei der Stange bleiben, weil wir gar nicht anders können.“

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