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Die Betreuung unsere Kinder muss uns mehr wert sein!

Tageseltern in Leipzig schlagen Alarm, dabei ist ihre Arbeit wichtiger als je zu vor.

Bis zum August 2013, wenn der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz von unter 3-jährigen in Kraft tritt, gibt es in Leipzig noch viel zu tun. Die Stadt hat nun einen Plan vorgelegt, wie sie die Herausforderungen stemmen will. Neben einigen Kita- Neubauten und Alt-Lasten aus den vergangenen Jahren, soll die Tagespflege weit über 300 neue Betreuungsplätze schaffen. Tagespflege ist eine billige Alternative für die Stadt. „Wir solidarisieren uns mit den Protesten der Tageseltern. Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen hat in den vergangenen Jahren viele wichtige Weichen gestellt für die Entlohnung und Qualifizierung von Tagespflegepersonal. Mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab August 2013 kommen viele Herausforderungen auf uns zu.“ Felix Ekardt, OBM-Kandidaten der Grünen weiter: „Es liegt nun an der Stadt nicht nur Wahlgeschenke zu machen, sondern tatsächlich der Betreuung unserer Kinder genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.“

„Die Stadt Leipzig bekommt laut §18 des SächsKitaG eine Pauschale von 1875 € pro Kind und Jahr für die Betreuung, unabhängig davon ob das Kind in eine Krippe geht oder zu einer Tagesmutter oder einem Tagesvater. Tagespflegepersonal bekommt aber weniger Geld als Erzieher/ innen in Krippen. Tagespflege ist daher eine billige Alternative. Wir von Bündnis 90/ Die Grünen fordern daher eine finanzielle Wertschätzung des Tagespflegepersonals, da sie zu einem wichtiger Pfeiler des Betreuungsangebotes geworden sind.“ Felix Ekardt resümiert: „Viele Tageseltern sind gelernte Erzieher, es bleibt für mich unverständlich, warum sie nicht nach ihrer Qualifikation bezahlt werden.“

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Stadt seit Jahren beim Ausbau des Betreuungsangebotes geschlafen hat und nun vermehrt auf die Tagespflege setzt um überhaupt noch den Rechtsanspruch erfüllen zu können, muss der Bedeutung der Tagespflege auch finanziell Rechnung getragen werden. „Wir müssen aber auch einen Fokus auf die Aus- und Weiterbildung des Tagespflegepersonals richten. Es muss möglich sein, dass Tageseltern neben ihrer Arbeit eine Erzieherabschluss erwerben können. So zollen wir ihnen Respekt, nicht nur als Lückenbüßer sondern als wichtiger Baustein bei der Erziehung und Betreuung unsere Kinder.“ Felix Ekardt abschließend: „Die Betreuung unsere Kinder muss uns mehr wert sein!“

Bündnis 90/ Die Grünen rufen daher gemeinsam mit der Leipziger Kita-Initiative und den Netzwerk  Leipziger Tageseltern zu einer Kundgebung am 17.12. um 16:30 vor dem Neuen Rathaus auf.

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„Kindertagespflege – Tatsachen und Optionen“

Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begrüßt Ergebnis der Diskussionsveranstaltung

Am 09.07.2012 veranstaltete die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Diskussionsrunde mit den Initiatoren der Forderung nach einer Neuordnung der Finanzierung der Kindertagespflege, Suzanne Haas und Axel Münster, der Vertreterin des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) Claudia Ullrich-Runge sowie dem stellv. Amtsleiter vom Amt für Jugend, Familie und Bildung Herrn Thomas Schmidt sowie etwa 70 interessierten Tagesmüttern und –vätern, Eltern und Interessierten.

Stadtrat und familienpolitischer Sprecher der Fraktion Michael Schmidt erklärt dazu:
„Die Veranstaltung hatte zum Ziel, unseren Stadtratsantrag, welcher eine Überprüfung der aktuellen Finanzierungsgrundlage der Tagespflege in Leipzig fordert, mit den aktuellen Problemlagen der Tagesmütter und –väter zu flankieren und gleichzeitig Modelle und Optionen, die in anderen deutschen Städten praktiziert werden oder von wissenschaftlicher Seite empfohlen werden, zu diskutieren. Insofern war dies eine ausgezeichnete Gelegenheit, dass die betroffenen Praktiker mit der Verwaltung ins Gespräch kommen und so auf ihre Nöte und die Dringlichkeit einer Neuregelung der finanziellen Entlohnung aufmerksam machen konnten. Es wurde unter anderem deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen die Tagesmütter und –väter in Zeiten knapper Kitaplätze und damit einhergehenden unsicheren Vertragssituationen zu kämpfen haben. Steht beispielsweise für ein dreijähriges Kind noch kein Kitaplatz zur Verfügung, verbleibt es vorerst bei der Tagespflegeperson, was aber wiederum Auswirkungen auf bereits geschlossene Verträge mit neuen Kindern hat, die aufgenommen wegen bei plötzlicher Verfügbarkeit eines Kitaplatzes zu kurzfristigen Kündigungen, ohne dass nahtlos Ersatz zu finden ist und ein Platz auf Kosten der Tagesmutter für einen Übergangszeitraum frei bleibt. Außerdem wurde kritisiert, wie wenig Tagespflegepersonen im Krankheitsfall abgesichert sind, da sie von Seiten der Krankenkassen kein Krankengeld erhalten und im Fall einer eigenen Mutterschaft aufgrund eines derart niedrigen Elterngeldes vor sehr großen Herausforderungen stehen. Auch in der Rentenvorsorge sehen sich die Tagespflegepersonen deutlich schlechter gestellt als festangestellte Erzieherinnen und Erzieher. Während diese pro Jahr etwa einen Rentenpunkt sammeln, benötigt eine Tagesmutter vier Berufsjahre.

Diskutiert wurde auch ein momentan vom Europäischen Sozialfond gefördertes Festanstellungssystem für Tagespflegepersonen, welches von Seiten der Stadtverwaltung momentan allerdings nicht in Erwägung gezogen wird, da sich die Beihilfe über lediglich ein Jahr erstreckt.
Nichtsdestotrotz wurde nochmals deutlich, dass die Kindertagespflege für die Stadt Leipzig eine im Vergleich zur Kitabetreuung sehr kostengünstige Variante der Betreuung der unter 3jährigen Kinder ist, die Finanzierung aber nicht zugunsten des städtischen Haushaltes auf Kosten der bemühten Tagesmütter und Tagesväter gehen darf. Nötig ist daher die von meiner Fraktion geforderte Neuregelung der Finanzierung der Kindertagespflegesätze, frei von Denkbarrieren. Anregungen gab es in der Veranstaltung viele, welche nunmehr weiter ausdiskutiert werden müssen. Dazu sollen auf Vorschlag des Jugendamtes die Gespräche mit den Tagesmüttern und –vätern in einer Arbeitsgruppe fortgesetzt werden, um letztlich eine am Bedarf orientierte Lösung zu finden. Wir halten dies für ein erstes sehr gutes Ergebnis, auf dem sich hoffnungsvoll aufbauen lässt.“

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