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Leipzig braucht passgenaue Angebote für Schulschwänzer

Grüne Fraktion: ein Anlass für Zufriedenheit ist nicht gegeben.

Leipzig hat die höchste Schulschwänzer- und Schulabbrecherquote. Die LVZ greift am 20.8. das Thema auf und die befragten Verantwortlichen (Bildungsagentur Leipzig) und Schulpolitik-Experte der CDU Colditz können kein Problem erkennen.

Katharina Krefft: „Wenn Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen ist dies der erste bedenkliche Hinweis, dass Motivation und Lernfreude fehlen. Daraus erwächst die direkte Gefahr, dass Kinder und Jugendliche die Schule letztlich ohne Abschluss verlassen. Dieser Zusammenhang ist offen sichtbar.“

Seit Monaten versuchen wir zu ergründen, warum in Leipzig die Zahlen so hoch sind. Bislang erfolgten weder die Analyse der Ursachen, noch wurde untersucht, ob die Angebote, um doch den Schulerfolg sicherzustellen, in der Stadt ausreichend sind. Wenn diese Untersuchung weiterhin nicht erfolgt, vergrößert sich die Gruppe derer die ohne Aussicht auf berufliche Integration und ein selbstbestimmtes, finanziell gesichertes Leben starten.

Krefft weiter: “Unsere Fraktion fordert aktuell mit einem Antrag die Ursachenforschung für Leipzig. Im Antrag V/A 422 „Schaffung zusätzlicher Angebote für schulmüde Jugendliche“ wird zum Beschluss durch den Stadtrat derzeit diskutiert: „Die kommunalen Möglichkeiten zur Begegnung der hohen Schulabbruchrate in Leipzig werden untersucht und die Angebote für schulmüde Jugendliche erweitert.“

Das gesamte Angebot, welcher Arten und ob es schulmüden Jugendlichen zum Schulerfolg  dient, können wir mit dem bislang dürftig vorgelegten aus dem Amt für Jugend, Familie und Bildung nicht bewerten. Es gibt sie ja, die Angebote und Programme für Jugendliche, die in Schule keinen Sinn sehen. Aktuell ist ein wichtiges Angebot des IB in seiner Finanzierung gefährdet. Dabei kennt die Sozialwissenschaft viele Wege Jugendliche aus Krisen zu begleiten, aber die Entscheidung über die Fortführung der sozialpädagogischen Programme, wie z. B. „Die 2. Chance“ beim Internationalen Bund Leipzig wird kurzsichtig von haushalterischen Abwägungen bedingt.

Ergänzend dazu haben wir im Antrag ein praxisbezogenes Modell vorgeschlagen, auch in Leipzig einzuführen. Sogenannte „Blitzjobs“ sind als arbeitsweltbezogene, sozialraumorientierte Maßnahme zur Begegnung von Schulmüdigkeit in Berlin erprobt. Daraus könnten Kooperationen mit Handwerk und Betrieben erwachsen, die Perspektiven vermitteln können und um Jugendlichen den Sinn von Leistung erfahrbar zu machen.

Wir halten Bußgelder nicht für zielführend. Kinder brauchen Bindung zum Lernen, finden sie diese weder im Elternhaus noch in der Schule, darf an Schulsozialarbeit und spezieller Sozialarbeit nicht gespart werden. Gerade die aktuellen Sparanstrengungen verheißen hier nichts Gutes. Darum: Untersuchen, wo es fehlt, gleichzeitig Angebote nicht einstellen und bei Bedarf sogar erweitern – an den richtigen Stellen – für unsere Jugend.

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Grüne beantragen sportpädagogische Jugendsozialarbeit für Grünau

Sport und Sportvereine sind für sportlich aktive Heranwachsende eine wichtige Säule der Freizeitgestaltung. Neben dem persönlichen Freizeitwert für den Einzelnen übernehmen diese Sportvereine für die Gesamtgesellschaft mit ihrem Angebot die Übermittlung gewünschter Kompetenzen, die sich positiv auf die Persönlichkeitsbildung auswirken.

„Sport macht leistungsfähig, ausgeglichen und fit. Bewegung fördert den Körper und den Geist. Wer in einem Verein sportlich aktiv ist, fällt weniger mit negativem jugendlichem Verhalten auf, wie es derzeit insbesondere in Grünau öffentlich auffällt. Deshalb wollen wir gerade dort den Modellversuch starten und sportpädagogische Jugendsozialarbeit mit dem Ziel einer Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen in sozial schwierigen Kontexten initiieren“, so Katharina Krefft, sozialpolitische Sprecherin.

Ingo Sasama, sportpolitischer Sprecher der Fraktion, ergänzt: „Sport bildet und festigt soziale Kompetenzen wie Fairness, Respekt vor dem Gegner, Akzeptanz von (Spiel-)Regeln, Teamgeist, prosoziales Verhalten und Durchhaltevermögen. Darum ist ein solches Projekt gerade in Grünau sinnvoll.“

In enger Zusammenarbeit mit unserem Drogenbeirat Prof. Oliver Stoll, Stadtbezirksbeirat West Jürgen Kasek und dem Stadtsportbund entstand dieser Antrag, so Krefft. Der Ansatz sportbezogener Jugendsozialarbeit ist nicht neu. In Leipzig gab es schon einmal einen Vorstoß in diese Richtung, welcher dann aus Kostengründen nicht weiter verfolgt wurde. In Berlin z. B. arbeitet schon seit mehr als 20 Jahren der Verein für Sport und Jugendsozialarbeit e. V. (vsj). Der vsj wirkt in sozialen Brennpunkten Berlins und intendiert u. a., durch sportbezogene Jugendsozialarbeit im Rahmen sog. Sportjugendclubs (Sportjugendclubs ähneln stark den traditionellen Jugendzentren) zur Persönlichkeitsbildung der betreuten Jugendlichen beizutragen. Diese Form der sportbezogenen Jugendsozialarbeit des vsj wurde im Jahr 2008 von Schliermann und Stoll (2008) im Rahmen einer eindrucksvollen, quasi-experimentell ausgerichteten Längsschnittstudie wissenschaftlich evaluiert. Hierbei standen insbesondere die Wirkungen dieser Intervention (im Vergleich zu einer Gruppe Jugendlicher ohne diese Form der Sozialarbeit) auf ausgewählte Persönlichkeitsbereiche im Fokus. Das von Schliermann und Stoll (2008) untersuchte Klientel beinhaltete unter jugendsozialarbeitstypischen Praxisbedingungen insbesondere sozial benachteiligtes und unterprivilegiertes Klientel; einen hohen Anteil an Scheidungskindern; und einen hohen Prozentsatz bereits straffällig gewordener Jugendlicher. Wie die Studie von Schliermann & Stoll (2008) zeigt, bewegen sich beispielsweise die Werte der Experimentalgruppe, also diejenige, die in den Genuss der sportbezogenen Jugendsozialarbeit kamen, für die Einschätzung auch dann noch an einer persönlichen Zielerreichung festzuhalten, wenn sich Schwierigkeiten auftun (allgemeine Selbstwirksamkeit), innerhalb des Interventionszeitraums auf einem relativ konstant bleibenden Niveau. Bezüglich der Bedingungen im vorliegenden Kontext der Jugendsozialarbeit werden solche konstanten Verläufe über längere Zeiträume hinweg (in der Studie immerhin über sechs Monate) im Allgemeinen bereits als pädagogischer Erfolg gewertet.

Darüber hinaus profitierten die Jugendlichen mit sportbezogener Jugendsozialarbeit vergleichsweise von einem positiveren Körperbild sowie in einer höheren positiven Einschätzung ihrer sportmotorischen Fähigkeiten.

Viele Sport- und Vereine der Jugendhilfe unterbreiten jetzt schon zahlreiche Angebote, über deren wachsenden Erfolg und Annahme wir uns sehr freuen. Die stetig wachsenden Mitgliederzahlen bei den Sportvereinen besonders im Kinder- und Jugendbereich sind dafür beredter Ausdruck. Eine sportlich-aktive Freizeitgestaltung, also eine außerschulische Alternative, Körperwahrnehmung zu schulen und soziales Lernen mit Sport- und Bewegungsbezug zu erfahren, ist eine wichtige Voraussetzung für eine ausgewogene ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung, erkärt Katharina Krefft.

Das Projekt in Grünau soll auf drei Jahre angelegt sein und durch eine wissenschaftliche Untersuchung begleitend auf seine Wirksamkeit untersucht werden. Anschließend ist erneut zu entscheiden, ob sportbezogene Sozialarbeit aufgrund der Ergebnisse auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden kann. Der Stadtsportbund und ggf. weitere erfahrene Akteure aus dem Sport- oder Jugendhilfebereich sollen weiter einbezogen werden.

Antrag V/A 405

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