Nur ein toter Jungvogel?

csm_Sharepic_23_08_2020_HP_f0d22a873c.jpgLeipzig. Die zunehmende Verdichtung im Wohnungsbau birgt Gefahren für die in der Stadt lebenden Wildtiere, insbesondere für die Singvogelarten. Der Klimawandel tut sein Übriges. Die Leipziger GRÜNEN rufen zu mehr Achtsamkeit auf.
Über den NABU-Regionalverband Leipzig wurde bekannt, dass am 19.08.2020 von einer Baustelle im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf zwei nestjunge Mauersegler geborgen worden sind. Die Jungvögel waren buchstäblich eingemauert, die Elternvögel hätten das langsame Verhungern ihrer Brut tagelang mit ansehen müssen. Eins der beiden Küken hat nicht überlebt.
„Ein toter Mauersegler. Eins von tausenden Opfern verschiedenster Wildtierarten, die wir nach und nach vertreiben, denen wir die Lebensstätten nehmen, die Brutplätze, die Nahrungsgebiete. Ein Zeichen dafür, dass wir in Leipzig noch weit davon entfernt sind, Bauen UND Naturschutz zusammenzudenken“, so Ulrike Böhm, Sprecherin des bündnisGRÜNEN Kreisverbandes.
„Ich wünschte mir, dass dieses tote Vogeljunge zum Politikum wird. Dass wir endlich aufwachen und uns fragen, was wir noch alles der Profitgier ewig Gestriger opfern wollen. Längst sollte so gebaut werden, dass auch in der Stadt die Natur erhalten bleibt. Andere Städte beweisen, dass das geht. Rücksichtslos gebaute Scheußlichkeiten aus Beton und Plastik sollten endlich als Irrtum erkannt werden.“
Schon lange ist zudem erwiesen, dass biologische Vielfalt die Lebensqualität der Stadtmenschen steigert. „Städte können sogar regelrechte Hotspots biologischer Vielfalt werden, weil sie durch ihre kleinteilige Mosaikstruktur von Frei- und Grünflächen viele Biotope aufweisen. In der modernen Stadtarchitektur gilt es, diese zu erhalten und zu verbinden und so aktiven Artenschutz zu betreiben“, ergänzt Matthias Jobke, Vorstandssprecher der Leipziger GRÜNEN.
Ulrike Böhm und Matthias Jobke sehen noch ein weiteres Problem: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Mauersegler und ihre Nistplätze ganzjährig geschützt. Dieses Gesetz wird jedoch gehandhabt wie eine unverbindliche Handlungsempfehlung. Weder gibt es bei den privaten oder städtischen Bauvorhaben valide artenschutzfachliche Gutachten, noch wird die Einhaltung diesbezüglicher gesetzlicher Vorschriften kontrolliert oder gar sanktioniert.
„Aus vielen Bürgergesprächen wissen wir, dass sich die Leipziger*innen von der Stadt mehr Einsatz für das Stadtgrün und den Artenschutz wünschen. Die Stadt verlässt sich jedoch offenbar auf die ehrenamtliche Tätigkeit ihrer Bürger*innen. Wir GRÜNEN danken den NABU-Regionalverband Leipzig und der Wildvogelhilfe für ihr Engagement!“, so Böhm und Jobke abschließend.
Der NABU hat vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenheit ein Vogeltränkenprojekt gestartet. Wer sich daran beteiligen möchte, kann sich hier informieren: https://www.nabu-leipzig.de/ratgeber/trinkstellen/

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