Aufforderung der Polizei an Radfahrer zum defensiveren Fahren ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr!

Nach dem tödlichen Unfall eines Radfahrers fordert die Leipziger Polizei Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer auf, defensiver zu fahren. Dazu entgegnet die Vorstandssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Leipzig, Stefanie Gruner:
„Die Aufforderung der Polizei an die Radfahrerinnen und Radfahrer ist eine klassische
Täter-Opfer-Umkehr. Keiner der Unfälle der letzten Wochen, auf die Bezug genommen wird, war durch die Radfahrerinnen und Radfahrer verursacht worden. Jetzt zu suggerieren, dass sie durch defensivere Fahrweise der Radfahrerinnen und Radfahrer hätten verhindert werden können, ist ein unglaublicher Fehlgriff gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Es ist lebensfremd zu glauben, eine Radfahrerin oder ein Radfahrer bestünde stur auf seine Vorfahrt, selbst wenn er oder sie dabei Gefahr läuft, überfahren zu werden.“

„Es ist im Straßenverkehr eine Selbstverständlichkeit, dass jede und jeder vorausschauend fährt und auch mit Fehlern der anderen VerkehrsteilnehmerInnen rechnet. Fehler passieren auf allen Seiten und auch Rücksichtslosigkeit ist bei VertreterInnen aller Verkehrsarten zu finden. Defensive Fahrweise und Rücksichtnahme sollte also grundsätzlich von allen Beteiligten gefordert werden. Allerdings geht von einem größeren und schwereren Fahrzeug eine höhere Betriebsgefahr aus, die besondere Umsicht erfordert. Schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sollte besondere Rücksichtnahme entgegen gebracht werden.“

„Der ständig neu befeuerte Konfikt zwischen Rad- und AutofahrernInnen steht hier einer
vernünftigen Lösungssuche leider im Weg. Ursachen sind die oft ungünstige
Verkehrsführung und Überbelegung der vorhandenen Straßenfäche. Es ist schlicht zu voll auf Leipzigs Straßen. Hier wird man in der wachsenden Stadt ganz neue Wege gehen
müssen.“

„Lösungen sind einfach umzusetzen: eine intelligente Ampelschaltung die Radfahrerinnen und Radfahrer zuerst fahren lässt hilft Unfälle durch rechtsabbiegende Autos zu verhindern, spezielle Bereiche vor Ampeln für Fahrräder verbessern die Sichtbarkeit im Kreuzungsbereich. Letztendlich brauchen wir ein Umbau des Straßennetzes hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt. Das wird ohne neue Radverkehrsplaner oder Radverkehrsplanerinnen nicht gehen. Dresden hat es mit einer Aufstockung der Stellen vorgemacht, Leipzig muss dort nachziehen.“ ergänzt Matthias Jobke, Vorstandssprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Leipzig.

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1 Kommentar »

  1. Ulrich Sorge said

    Das über die Maßen dümmliche Geschwätz der Polizeivertreter passt perfekt zu dem ähnlich undifferentierten juristischen Debris vieler Staatsanwälte und auch Richter, die bei Strafprozessen wegen beim Rechtsabbiegen verletzter oder getöteter Fußgänger und Fahradfahrer immer wieder so tun, als ob diese Verletzten und Toten Opfer eines schicksalhaften Geschehens geworden sind.

    Stattdessen wurden ihre Verletzung oder Tötung zumindest „billigend in Kauf genommen“ und damit Vorsatz aequvivalent geschädigt.

    Ich weiß als Autofahrer seit ich hinter dem Steuer sitze, dass ich beim Abbiegen oder Spurwechseln eine Sorgfaltspflicht habe, und nehme die auch wahr.

    Wer wenige Sekunden vorher, einen Radfahrer auf dem Radweg mit dem Auto noch überholt hat, hatte den also VOR sich. Und will sich beim Abbiegen dann nicht mehr erinnert haben? Oder nicht gesehen?

    Die Mär vom Toten Winkel ist so alt ie Methusalems Bart. Und sonst wissen Juristen sofort zu sagen, dass dort, wo eine allgemeinbekannte Gefahr lauert, auch besonders aufmerksam gehandelt werden müsste. Nur beim toten Winkel dürfen Dummichel und Träumelinchen munter vor sich hin schlafen.

    Wer beim Abbiegen andere schädigt, hat nicht richtig geschaut oder schlicht seine Sorgfalstpflichten verletzt. Und so jemand hat schon aus moralischen Gründen im Straßenverkehr schlicht nichts zu suchen.

    Und juristische Leichtgewichte, die solche Schutzbehauptungen nicht als das entlarven, was sie sind, gehören m. E. in eine Imbissbude…

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