Volker Külow instrumentalisiert Ukraine-Konflikt mit abwegigem Holocaustvergleich für seinen Wahlkampf

Ausstellung der Partei die LINKE über den Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa verbreitet russisch-nationalistische Positionen

Ab Freitag dem 22.08. zeigt die Leipziger LINKE auf Betreiben Volker Külows und im Rahmen seines Wahlkampfes eine Ausstellung mit dem Titel „Das Massaker von Odessa“ deren Thema der Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa vom 2. Mai dieses Jahres ist, bei dem über 40 Menschen ums Leben kamen. Der Ankündigungstext der Ausstellung, den Külow etwa über seine Facebook-Seite verbreitet, suggeriert, dass es sich dabei um einen Angriff auf friedliche pro-russische „Antifaschisten“ handelte, der von ukrainischen „Faschisten“ ausging. Diese Darstellung verzerrt die Ereignisse jedoch gemäß der russischen Propagandalinie. Dies verwundert kaum, stammen die Macher der Wanderausstellung aus dem Umfeld der kremlnahen Organisation CIS-EMO, die bereits mehrfach durch die Verbreitung russisch-nationalistischer Propaganda über den aktuellen Ukrainekonflikt auffällig geworden ist. So wird weder erwähnt, dass dem Anschlag ein brutaler Überfall auf eine pro-ukrainische Demonstration vorrausging, der mehrere Tote forderte, noch wird erwähnt, dass es innerhalb der ukrainischen Zivilgesellschaft heftige Kritik an den schleppenden Ermittlungen zu dem Brandanschlag und zur Rolle der Odessaer Polizei gibt, die den Ereignissen am 2. Mai tatenlos zusah.

„Bei der Ausstellung geht es nicht um die ausgewogene Darstellung der in der Tat tragischen und schockierenden Ereignisse von Odessa. Das zeigt schon die völlig unangemessene Bezeichnung als ‚Holocaust von Odessa‘, die Volker Külow im russischen Begleittext auf seiner FB-Seite tagelang verbreitet und erst nach kritischen Kommentaren entfernt hat.“ sagt Claudia Maicher, Landessprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen, und weiter: „Dass er damit als deutscher Politiker allen Ernstes diesen schlimmen Brandanschlag mit dem industriell betriebenen Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden gleichsetzte, ist absolut unerträglich. Auch wenn jedes der Opfer des Brandes in Odessa eines zu viel ist, betreibt Külow, der selbst Historiker ist, mit diesem Vergleich eine Geschichtsrelativierung, wie man sie sonst nur von rechts außen kennt.“

Rechte Positionen im Umfeld der Ausstellung sind schon registriert worden, ergänzt Stephan Stach, Osteuropahistoriker und Mitglied des Leipziger Kreisverbandes der Gründen „Als die Ausstellung in Warschau gezeigt wurde, fand im Rahmenprogramm die Vorstellung des Buches ‚Neonazis & Euromaidan‘ statt, dessen Autoren selbst russischen Neonazikreisen angehören und in dem unter anderem ‚die Juden‘ für den Aufstieg Hitlers verantwortlich gemacht werden. Bei der Berliner Präsentation der Ausstellung trat Oleg Muzyka, ehemaliger Politiker der russisch-nationalistischen Partei Rodina als Augenzeuge auf, der andernorts offen homophobe Positionen vertritt und Europa als ‚Gayropa‘ bezeichnet.“

„Was dieses Thema im sächsischen Landtagswahlkampf zu suchen hat, ist mir ein Rätsel.“ sagt Jürgen Kasek, Sprecher des Leipziger Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. „Ein noch größeres Rätsel ist mir allerdings, wieso die Leipziger LINKE, die sich weigert mit Vertretern der rechtspopulistischen AfD auf Diskussionsveranstaltungen aufzutreten, im Ukrainekonflikt mit Organisationen kooperiert, die nationalistische, antisemitische und homophobe Positionen vertreten.“

Hintergrund:
 
Der russischsprachige Beitrag auf Volker Külows FB-Seite mit der Bezeichnung ‚Holocaust von Odessa‘ (siehe Anhang) wurde offensichtlich am 20. August nach kritischen Kommentaren gelöscht. Ebenso wurden kritische Kommentare dazu von seiner Seite entfernt. Einer der kritischen Kommentare stammte von der stellvertretenden Direktorin des Marburger Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, Dr. Anna Veronika Wendland, die mit ihrer Familie in Leipzig lebt. Sie ist eine der profiliertesten Kennerinen der Ukraine in Deutschland. Ihren kritischen Kommentar hat sie nach der Löschung durch Volker Külow auf ihrer Facebookseite veröffentlicht (https://www.facebook.com/annavero.wendland/posts/349347035240880). Frau Dr. Wendland steht für Anfragen zur Verfügung (veronika.wendland@herder-institut.de), legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass sie parteilos ist und ihre Kritik an der Ausstellung der Partei die LINKE in keinem Zusammenhang mit dieser PM oder Meinungsäußerungen von Politikern steht.
Bei dem Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa am zweiten Mai und dem vorangegangenen Überfall pro-russischer Demonstranten auf eine pro-ukrainische Demonstration sind an diesem Tag mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen, der überwiegende Teil starb an den Folgen des Brandes. Die Polizei und Feuerwehr griff dabei nur spät oder gar nicht ein.

Ausführlich Pressebeiträge dazu:
• Julia Smirnowa in der Welt:
http://www.welt.de/politik/ausland/article127870079/Was-geschah-in-Odessa-Protokoll-einer-Eskalation.html
• Ein Beitrag des Weltspiegels von Markus Preiß:
http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/wdr/140511-weltspiegel-106.html
• Halya Coynash von der Charkiver Gruppe für den Schutz der
Menschenrechte: http://khpg.org/en/index.php?id=1407453894  (Deutsche Übersetzung: http://de.indymedia.org/node/1591)

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1 Kommentar »

  1. Marion Nowak said

    Ihr seid lustig. Diese Ausstellung läuft schon seit Mai in Deutschland. Sie heißt „Das Massaker von Odessa“. Sie lief auch schon in mehreren europäischen Städten. Falsch ist auch, dass die Macher eine „kremlnahe Organisation CIS-EMO“ sei. Es handelt sich um einen Zusammenschluss von Odessaer Bürger, die das Massaker miterlebt haben.
    Ganz falsch ist, dass nicht „erwähnt .. wird (welch ein Wort für eine Ausstellung) dass es innerhalb der ukrainischen Zivilgesellschaft heftige Kritik an den schleppenden Ermittlungen zu dem Brandanschlag und zur Rolle der Odessaer Polizei gibt, die den Ereignissen am 2. Mai tatenlos zusah“. Bitte überzeugt euch selbst – die Rede Oleg Muzyka, dem Mitorganisator dieser Austellung, sagt es ganz deutlich, denn er gehört zu den Odessaer Bürgern.

    Eure Kampagne gegen die Partei Die Linke läuft fehl, denn mit der gleichen Polemik könnte man fragen, was denn russische Nazis sein sollen. Das dürfte doch wohl die gleiche Realitivierung sein, die ihr der Begriffsnutzung Holoaust unterstellt. Zum zweiten ist Eure Abwehrstrategie von der Linken zu Recht kritisierten Unterstützung von direkten Nachfolgern ukrainischer Nazikollaborateure reichtlich unproffessionell.

    Und schließlich sich die Argumente beim intellektuellen BILD-Verschnitt „Welt“ holen hätte die fdp auch gut gekonnt.
    Külow ist eurer Wahlkonkurent und die Linke in Dresden hat euch ja schon eingeholt. Aber ganz bestimmt nicht wegen der Aussstellung, sondern weil die Linke nicht neoliberal ist und sich auch nie als Anhängsel der cdu oder csu wie die Grünen profilieren würde.
    Ihr wart zu Zeiten Jutta Dittfurts noch ein wenig links und selbst Rudi Dutschke hat geglaubt, dass ihr die Alternative zus spd sein werdet. Aber schon damals waren zu viele intellektuelle Kleinbürger dabei – Ihr werdet Euch aber sicher ein wenig wie die fdp halten. Aber das sollte ihr mit Anstand gegenüber euren politischen Gegner tun.

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