Zum Tod von Pfarrer Christian Führer

Pfarrer Christian Führer war durch sein beispielgebendes, jahrelanges Engagement ein deutschlandweit gefragter Gesprächspartner und damit Botschafter der Stadt Leipzig. Als Pfarrer an St. Nikolai und als Seelsorger für die Ende der 1980er Jahre wachsende Anzahl der Ausreisewilligen hat er unersetzliche Impulse für das gewaltfreie Gelingen der Friedlichen Revolution gegeben. Auch nach der Wiedervereinigung hat er die Augen auf die Realität im Alltag gerichtet; die Finger in die Wunden gelegt und sich unermüdlich für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt.
Auch sein Einsatz für arbeitsuchende Menschen und sein Engagement gegen Neonazismus und Menschenfeindlichkeit waren vielen Menschen ein Vorbild.

Pfarrer Führer war im besten Sinne ein Bürger-Rechtler und im wahrsten Sinne ein Pastor, nämlich ein Hirte, der seine Stimme stellvertretend für Benachteiligte einsetzte. Christian Führer hat mit seinem Engagement auf das Mittel der Macht verzichtet und mahnte stattdessen immerfort: Liebe Deine Nächsten und auch deine Feinde. Sein Eintreten für eine offene, demokratische Gesellschaft ist ein Vorbild – auch für die Mitglieder des Kreisverbandes Bündnis90/Die Grünen.

Dazu Gisela Kallenbach als ehemaliges Mitglied der Gemeinde St. Nikolai und der Arbeitsgruppe Umweltschutz: „ Pfarrer Christian Führer hat seit seiner Berufung an die Gemeinde St. Nikolai klare Positionen vertreten; sein Tod reißt eine schmerzliche, nahezu unersetzliche Lücke; sein Vermächtnis zu wahren soll uns Auftrag und Verpflichtung sein.“

Michael Weichert, einst Gründungsmitglied des Neuen Forums, ergänzt: „Für mich war und ist Pfarrer Führer das Gesicht der Friedlichen Revolution. Wie kein anderer hat er es verstanden, die Bürgerrechtler unter der Friedensbotschaft der Bergpredigt zu versammeln und es damit geschafft, dass wir alle, friedlich, einem bis an die Zähne bewaffneten System die Stirn bieten konnten, dieses System zum Einsturz brachten und die lang ersehnte Freiheit erreichten. Nach der dadurch ermöglichten Wiedervereinigung hat der Nikolaikirchenpfarrer sich immer wieder gegen Hass, Gewalt und soziale Ausgrenzung engagiert und sich nicht gescheut, Reizthemen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Die Themen der Friedensgebete nach der Friedlichen Revolution sind ein beredtes Zeugnis für gesellschaftliche Entwicklungsdefizite, die viele lieber nicht diskutiert hätten. Dabei war sein Gesprächsangebot immer von Toleranz geprägt. Ich hoffe, er konnte die Verleihung des Nationalpreises noch erleben, wenngleich er ihn selber nicht mehr persönlich entgegen nehmen konnte.“

Unser Beileid gilt vor allem seinen Kindern und deren Familien.

Unterzeichner_innen:

Gisela Kallenbach, Mitglied des Sächsischen Landtages

Michael Weichert, Mitglied des Sächsischen Landtages

Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Norman Volger, Fraktionsvorsitzende der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Claudia Maicher, Sprecherin des Landesverbandes Bündnis 90/Die Grünen

Petra Cagalj Sejdi, Sprecherin des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen

Jürgen Kasek, Sprecher des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen

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