Sicherheit in unsicheren Zeiten – 30 Jahre Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung

Am 15.12.1983 wurde das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung durch das Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichtes aus den Art.2 Abs. 1 und Art. 1 Abs 1 Grundgesetz herausgearbeitet. Begründet wurde das Grundrecht durch die Gefährdung der freiheitlichen Grundordnung infolge nicht kontrollierbarer und unbeherrschbarer Datensammlung mit Hilfe moderner Informationstechniken.

„Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert, gespeichert und verwendet werden können, wird in seinen Verhaltensmöglichkeiten stark eingeschränkt. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts stellte eine starke Gefährdung der Entfaltungsfreiheit des Menschen fest. Inzwischen leben wir in einer Zeit der ansatzlosen Massenüberwachung. Der Staat hat das Grundrecht ausgehöhlt und schützt uns nicht mehr.“ äußert sich Jürgen Kasek, Vorstandssprecher des Kreisverbandes von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN.

„Der Blick auf den Koalitionsvertrag macht deutlich, dass die Große Koalition – gegen das Grundgesetz und die ausdrückliche Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts – die Einführung der Vorratsdatenspeicherung vorsieht. “ so Carolin Waegner, Vorstandsmitglied uns Koordinatorin des Arbeitskreises ‚Demokratie und Zivilcourage‘.

„Wir sind nicht nur dabei die Freiheit abzuschaffen, sondern die Demokratie gleich mit. Das Agieren der Geheimdienste und das Schüren immer neuer Ängste erinnert an die jüngere Geschichte“, so Waegner weiter.

Gerade in Leipzig, der Stadt in der als erstes die Kameraüberwachung des öffentlichen Raumes praktiziert wurde sowie generell in Sachsen wo die Grundrechte regelmäßig etwa durch Handydatenspeicherung und die Einschränkung der Freiheitsrechte verletzt werden, falle die Bestandsaufnahme desaströs aus. Dass darüber hinaus das Landesamt für Verfassungsschutz – ein Relikt des kalten Krieges – verstärkt die politischen Debatten selber zu bestimmen versucht, runden das Bild ab.

Dabei sei längst erwiesen, dass durch verstärkte Überwachung die Sicherheitslage nicht verbessert werden kann. Notwendig wäre die ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der Polizei.

Statt dessen würden Polizeistellen zusammengestrichen und die Überwachung ausgebaut. Eine Diskussion über die Vereinbarkeit von Sicherheit und Freiheit gäbe es schon lange nicht mehr.

BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Leipzig setzen sich für die sofortige Beendigung der Kameraüberwachung ein und für mehr Polizei. Die Polizeireform 2020 müsse gestoppt werden, da sie die Einsatzfähigkeit der Polizei gefährde.

„Der Satz ‚Freiheit stirbt mit Sicherheit‘ ist so aktuell wie seit langem nicht“, so Kasek abschließend.

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