„Gegen die Lösung gesellschaftlicher Probleme mittels staatlicher Repression – Situation Allee Center“

Zur Situation am Allee Center in Leipzig nimmt Jürgen Kasek, Vorstandssprecher des Kreisverbandes und Stadtbezirksbeirat in Grünau Stellung:

„Die aktuelle Diskussion ist weder hilfreich noch zielführend. Der Stadtbezirksbeirat West hat bereits seit mehren Jahren auf das Problem hingewiesen und das Ganze mehrfach zur wichtigen Angelegenheit erklärt. Aufgrund dessen hat der Stadtbezirksbeirat West in den letzten Jahren mehrfach an den Sitzungen des zuständigen Ausschusses teilgenommen, um dort auf das Problem hinzuweisen.
Wenn die Polizei nunmehr ankündigt hart durchgreifen zu wollen, Angstszenarien herbei geschrieben werden und die Suche nach dem Sündenbock beginnt, hilft das nicht das Problem zu lösen.
Festzustellen ist, dass das Problem lange Zeit nicht ernst genommen wurde und die Informationswege zum Teil deutlich zu lang und zu kompliziert waren. Eine enge Zusammenarbeit von Streetworkern, Allgemeinem Sozialdienst, Polizei, Justiz und Quartiersmanagement hätte die Situation entspannen können. Dies hat auch der SBB West mehrfach nachdrücklich und einstimmig gefordert. So ist der Eindruck entstanden, dass das Thema auch bei den zuständigen Stadträten leider lange nicht ausreichend ernst genommen wurde.
Umso verlogener ist es jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, eine dringliche Anfrage zu stellen und die Schuld am Versagen einem einzelnen Amt zuschieben zu wollen.
Eine Entlassung von Herrn Haller, wird das Problem ebenso wenig lösen, wie Alkoholverbote. Wenn Herr Merbitz nun ankündigt Alkoholverbote zu prüfen, ist festzustellen, dass diese nur durch eine Änderung der Polizeiverordnung angeordnet werden können und dazu ein Stadtratsbeschluss vonnöten ist. Ein Alkoholverbot wird das Problem nur verdrängen und hilft weder den Bürgern noch den Jugendlichen. Zu fragen wäre in dem Kontext viel eher, wo die Jugendlichen den Alkohol beziehen.
Kurzfristige Interventionen, ein schnelles Eingreifen der Justiz bei Straftaten und eine enge Betreuung durch Allgemeiner Sozialdienst und Streetworkern bei Alkoholmissbrauch wäre viel eher ein Schritt in die richtige Richtung.
Die jetzt begonnene „Hexenjagd“ schadet einem ganzen Stadtteil. Grünau ist, was deutlich gesagt werden muss, ein lebens- und liebenswerter Stadtteil von Leipzig, in dem sich die Mehrzahl der Menschen wohl fühlt.
Das vorhandene Problem wird sich mit Repression allein nicht lösen lasen. Das Heilsversprechen alle vorhandenen Probleme mittels staatlicher Repression lösen zu wollen ist grundfalsch, billiger Populismus und reine Symbolpolitik. Probleme werden gelöst durch Identifizierung der Ursachen und Beseitigung dieser und nicht durch die Bekämpfung der Symptome.“

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