Leipzig braucht eine Willkommenskultur für Kinder – Grüne kritisieren Familienpolitik der Stadt.

Lange Wartezeiten beim Jugendamt, fehlende Informationen bei der KiTa-Platz-Vergabe sprechen nicht für eine kinderfreundliche Politik. Das geschaffene Familieninfobüro der Stadt kann über diese Diskrepanz nicht hinwegtrösten.

Die Geburtenraten in Leipzig steigen seit einigen Jahren wieder, die Zeit ist gekommen um deutliche Signale für eine tatsächliche kinderfreundliche Politik zu setzen.
„Die Stadt setzt zu sehr auf symbolträchtige Aktionen, mit Kinderfreundlichkeit hat dies nichts zu tun.“  Jürgen Kasek, Vorstandsprecher des Kreisverbandes von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN weiter: „Ein Familieninfobüro, welches selbstgestrickte Socken verteilt, ist nett. Eines, das bei akuten Belangen der Eltern falsche oder gar keine Informationen gibt, ist aber kein Aushängeschild für Familienfreundlichkeit. Dass die Stadt Eltern zudem ernsthaft empfiehlt auf Umlandgemeinden auszuweichen ist eine Unverschämtheit, passt aber ins Bild, welches das Jugendamt gerade abgibt.“
„Ein zentraler Wickeltisch, der nur bis mittags genutzt werden kann und am Wochenende gar nicht, ist exemplarisch für das Verständnis der Stadt in Sachen Familienfreundlichkeit – sehr halbherzig.“ Christin Melcher, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes und zuständig für Familienpolitik weiter: „Die Stadt ruht sich zu sehr auf dem Engagement der Eltern aus und brüstet sich mit deren Arbeit. Es bedarf einer tatsächlichen Willkommenskultur für Kinder in Leipzig: Bevorzugung von Eltern auf Ämtern, Spielecken, Wickeltische in allen kommunalen Einrichtungen, ein Spielplatz im Zentrum und mehr verkehrsberuhigte Zonen in der Stadt könnten da erste konkrete Ansätze sein.“
„Zudem widerspricht der Umgang des Jugendamtes mit Vätern, die das gemeinsame Sorgerecht ausüben wollen, entschieden dem immer wieder erklärten Ziel der Familienfreundlichkeit. Die langen Wartezeiten für einen Termin zur Vaterschaftsanerkennung fördern ein veraltetes, nicht mehr zeitgemäßes Familienbild. Durch dieses Agieren unterstützt das Jugendamt die seit langem gehandhabte Diskriminierung nicht verheirateter Väter.“, so Carolin Waegner, Vorstandsmitglied und zuständig für Gleichstellungsfragen. Zahlreichen Vätern wird die Ausübung des Sorgerechts massiv erschwert oder sogar verwehrt. „Im Sinne einer diskriminierungsfreien Familienpolitik ist dies nicht länger hinnehmbar. Hier ist auch endlich das Jugendamt gefordert, seiner am Kindeswohl orientierten Pflicht nachzukommen.“, Waegner abschließend.
Wenn die Stadt ihre Einwohnerzahl stetig steigern will, bedarf es ein deutliches Umdenken in der Politik. Für Eltern ist die Geburt ihrer Kinder das schönste Erlebnis im Leben, es wird Zeit, dass dies auch die Stadt Leipzig zum Anlass nimmt um eine kinderfreundliche Offensive zu starten und den Eltern zeigt, dass „Familienfreundlichkeit“ nicht nur eine Worthülse ist. BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Leipzig fordern daher, dass die Stadt ihren Lippenbekenntnissen zur Kinder- und Familienfreundlichkeit endlich Taten folgen lässt. Um die Wartezeiten zu reduzieren müssten gegebenenfalls auch die Personalsituation im Jugendamt überprüft werden um zumindest temporär Kapazitäten für eine zügige Bearbeitung der Fälle gewährleisten zu können.

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