„Kindertagespflege – Tatsachen und Optionen“

Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begrüßt Ergebnis der Diskussionsveranstaltung

Am 09.07.2012 veranstaltete die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Diskussionsrunde mit den Initiatoren der Forderung nach einer Neuordnung der Finanzierung der Kindertagespflege, Suzanne Haas und Axel Münster, der Vertreterin des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) Claudia Ullrich-Runge sowie dem stellv. Amtsleiter vom Amt für Jugend, Familie und Bildung Herrn Thomas Schmidt sowie etwa 70 interessierten Tagesmüttern und –vätern, Eltern und Interessierten.

Stadtrat und familienpolitischer Sprecher der Fraktion Michael Schmidt erklärt dazu:
„Die Veranstaltung hatte zum Ziel, unseren Stadtratsantrag, welcher eine Überprüfung der aktuellen Finanzierungsgrundlage der Tagespflege in Leipzig fordert, mit den aktuellen Problemlagen der Tagesmütter und –väter zu flankieren und gleichzeitig Modelle und Optionen, die in anderen deutschen Städten praktiziert werden oder von wissenschaftlicher Seite empfohlen werden, zu diskutieren. Insofern war dies eine ausgezeichnete Gelegenheit, dass die betroffenen Praktiker mit der Verwaltung ins Gespräch kommen und so auf ihre Nöte und die Dringlichkeit einer Neuregelung der finanziellen Entlohnung aufmerksam machen konnten. Es wurde unter anderem deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen die Tagesmütter und –väter in Zeiten knapper Kitaplätze und damit einhergehenden unsicheren Vertragssituationen zu kämpfen haben. Steht beispielsweise für ein dreijähriges Kind noch kein Kitaplatz zur Verfügung, verbleibt es vorerst bei der Tagespflegeperson, was aber wiederum Auswirkungen auf bereits geschlossene Verträge mit neuen Kindern hat, die aufgenommen wegen bei plötzlicher Verfügbarkeit eines Kitaplatzes zu kurzfristigen Kündigungen, ohne dass nahtlos Ersatz zu finden ist und ein Platz auf Kosten der Tagesmutter für einen Übergangszeitraum frei bleibt. Außerdem wurde kritisiert, wie wenig Tagespflegepersonen im Krankheitsfall abgesichert sind, da sie von Seiten der Krankenkassen kein Krankengeld erhalten und im Fall einer eigenen Mutterschaft aufgrund eines derart niedrigen Elterngeldes vor sehr großen Herausforderungen stehen. Auch in der Rentenvorsorge sehen sich die Tagespflegepersonen deutlich schlechter gestellt als festangestellte Erzieherinnen und Erzieher. Während diese pro Jahr etwa einen Rentenpunkt sammeln, benötigt eine Tagesmutter vier Berufsjahre.

Diskutiert wurde auch ein momentan vom Europäischen Sozialfond gefördertes Festanstellungssystem für Tagespflegepersonen, welches von Seiten der Stadtverwaltung momentan allerdings nicht in Erwägung gezogen wird, da sich die Beihilfe über lediglich ein Jahr erstreckt.
Nichtsdestotrotz wurde nochmals deutlich, dass die Kindertagespflege für die Stadt Leipzig eine im Vergleich zur Kitabetreuung sehr kostengünstige Variante der Betreuung der unter 3jährigen Kinder ist, die Finanzierung aber nicht zugunsten des städtischen Haushaltes auf Kosten der bemühten Tagesmütter und Tagesväter gehen darf. Nötig ist daher die von meiner Fraktion geforderte Neuregelung der Finanzierung der Kindertagespflegesätze, frei von Denkbarrieren. Anregungen gab es in der Veranstaltung viele, welche nunmehr weiter ausdiskutiert werden müssen. Dazu sollen auf Vorschlag des Jugendamtes die Gespräche mit den Tagesmüttern und –vätern in einer Arbeitsgruppe fortgesetzt werden, um letztlich eine am Bedarf orientierte Lösung zu finden. Wir halten dies für ein erstes sehr gutes Ergebnis, auf dem sich hoffnungsvoll aufbauen lässt.“

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